Chefarztposition in der Rheumatologie besetzen – warum die richtigen Anforderungen entscheidend sind
Das war der identifizierte Kandidatenmarkt für eine Position als Chefarzt oder Chefärztin in der Inneren Medizin/Rheumatologie, die SOLUTE für einen großen kommunalen Klinikträger in einer deutschen Großstadt besetzen sollte.
Bereits vor Beginn der Suche war klar, wie anspruchsvoll dieses Mandat werden würde. Gesucht wurde eine erfahrene rheumatologische Führungspersönlichkeit für eine Position, die zwei Aufgaben vereinte, die auf dieser Karrierestufe keineswegs selbstverständlich zusammenpassen.
Die künftige chefärztliche Leitung sollte ein überregional renommiertes rheumatologisches Zentrum führen und weiterentwickeln, zugleich aber innerhalb ihrer Klinik in erheblichem Umfang allgemeininternistische Verantwortung übernehmen.
Für hochspezialisierte Rheumatolog*innen ist diese Kombination nicht zwangsläufig attraktiv. Wer sich über Jahre fachlich spezialisiert und innerhalb seines Gebiets Reputation aufgebaut hat, möchte häufig auch als Chefarzt oder Chefärztin den Schwerpunkt auf dieses Fachgebiet legen.
Hinzu kamen hohe Anforderungen an Führungserfahrung, wissenschaftliche Kompetenz und Vernetzung innerhalb der rheumatologischen Fachwelt. Die wenigen grundsätzlich geeigneten Persönlichkeiten waren zudem über den gesamten deutschsprachigen Raum verteilt.
Die zentrale Herausforderung bestand darin, gemeinsam mit dem Auftraggeber ein Anforderungsprofil zu entwickeln, das den fachlichen Anspruch wahrte, ohne den ohnehin kleinen Kandidatenmarkt unnötig weiter einzuschränken.
Habilitation oder fachliche Strahlkraft – worauf kommt es wirklich an?
Wie begrenzt die Verfügbarkeit geeigneter Persönlichkeiten war, wussten die Verantwortlichen bereits vor Beginn der Suche. Der Klinikträger hatte selbst mit Expert*innen aus medizinischen Fachgesellschaften gesprochen und mögliche Kandidat*innen in Betracht gezogen.
Im gemeinsamen Briefing mit SOLUTE wurde deshalb sorgfältig priorisiert, welche Anforderungen für den Erfolg in der Führungsposition unverzichtbar waren.
Ursprünglich gehörte eine Habilitation zum Idealprofil. Im Briefing wurde jedoch vereinbart, auch promovierte Persönlichkeiten ohne Habilitation zu berücksichtigen. Gleichzeitig blieb ein anderer Anspruch ausdrücklich bestehen: Die künftige chefärztliche Leitung sollte innerhalb der rheumatologischen Fachwelt gut vernetzt und sichtbar sein, die fachliche Strahlkraft des Zentrums stärken und dessen Attraktivität für den rheumatologischen Nachwuchs sichern. Diese Priorisierung erwies sich im weiteren Verlauf als entscheidend für die erfolgreiche Besetzung.
Executive Search in einem kleinen medizinischen Spezialistenmarkt
Die anschließende Suche konzentrierte sich auf Fachärzt*innen für Innere Medizin mit rheumatologischer Spezialisierung und mehrjähriger Führungserfahrung im stationären Bereich.
Im Fokus standen Universitätskliniken und rheumatologische Schwerpunktkliniken im gesamten deutschsprachigen Raum. SOLUTE erschloss diesen Markt durch gezielte telefonische Direktansprache, berufliche Netzwerke und den eigenen Kandidatenpool.
Die Ergebnisse verdeutlichen sowohl die Enge des Marktes als auch die Wirksamkeit der Suche:
- 104 potenziell relevante Persönlichkeiten wurden identifiziert.
- 70 davon sprach SOLUTE direkt an.
- 58 dieser angesprochenen Kandidat*innen sagten im Rahmen der Ansprache ab.
- 9 Kandidat*innen wurden dem Auftraggeber mit ausführlichen Kandidatenprofilen vorgestellt und führten erste Gespräche mit den Verantwortlichen.
- 2 Persönlichkeiten präsentierten sich schließlich der Auswahlkommission vor Ort.
Dass aus einem identifizierten Gesamtmarkt von nur 104 Persönlichkeiten neun Kandidat*innen für vertiefende Gespräche gewonnen werden konnten, war angesichts der besonderen Anforderungen ein bemerkenswertes Ergebnis.
Warum fachliche Eignung allein nicht ausreicht
Die Rückmeldungen aus der Direktansprache machten deutlich, dass die Wechselbereitschaft und persönliche Motivationslage eine ebenso große Herausforderung darstellte wie die fachliche Eignung.
Dabei lag es überwiegend nicht am Klinikum selbst. Das rheumatologische Zentrum war im Fachgebiet bekannt, genoss einen sehr guten Ruf und wurde von den angesprochenen Persönlichkeiten positiv bewertet.
Dennoch kam ein Wechsel für viele nicht infrage. Einige schlossen einen Umzug aus, andere sahen ihre berufliche Zukunft langfristig im universitären Umfeld.
Hinzu kam die Besonderheit der Führungsaufgabe: Nicht jede rheumatologisch ausgewiesene Persönlichkeit wollte neben der spezialisierten Versorgung auch einen erheblichen allgemeininternistischen Verantwortungsbereich übernehmen.
Der fachlich relevante Kandidatenmarkt und der tatsächlich erreichbare Kandidatenmarkt sind deshalb zwei unterschiedliche Größen.
Die erfolgreiche Besetzung: Fachliche Reputation statt Habilitation
Am Ende konnte SOLUTE eine Kandidatin gewinnen, die die besonderen Anforderungen der Position in hohem Maße erfüllte.
Die promovierte Medizinerin verfügte über keine Habilitation. Sie brachte jedoch klinische Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen mit, war mit klinischer Forschung vertraut und hatte einen besonderen fachlichen Schwerpunkt in der Schmerzmedizin innerhalb der Rheumatologie.
Auch die gewünschte Sichtbarkeit innerhalb des Fachgebiets war gegeben: Die Kandidatin kam aus einem der größten rheumatologischen Zentren Deutschlands und engagierte sich in mehreren Arbeitsgruppen der Fachgesellschaft.
Gleichzeitig war sie offen für eine klinisch ausgerichtete Führungsaufgabe, die über die spezialisierte Rheumatologie hinausging.
Damit erfüllte sie die Anforderungen, die im gemeinsamen Briefing als besonders wichtig herausgearbeitet worden waren: medizinische Kompetenz, fachliche Reputation, klinische Orientierung und die Bereitschaft, Verantwortung für ein breiteres internistisches Versorgungsspektrum zu übernehmen.
Die Entscheidung, eine Habilitation nicht zwingend vorauszusetzen, ermöglichte es, eine geeignete Führungspersönlichkeit zu berücksichtigen, die andernfalls am ursprünglichen Idealprofil gescheitert wäre.
Der fachliche Qualitätsanspruch wurde dadurch nicht aufgegeben. Vielmehr wurden die Kriterien stärker an den tatsächlichen Anforderungen der Position ausgerichtet.
Was Klinikgeschäftsführungen aus dieser Chefarztbesetzung mitnehmen können
Der Fall zeigt, wie entscheidend die Definition des Anforderungsprofils gerade bei spezialisierten medizinischen Führungspositionen ist.
Ein fachlich plausibles Idealprofil kann den ohnehin begrenzten Kandidatenmarkt erheblich einschränken. Deshalb sollten Klinikgeschäftsführungen und Personalverantwortliche bereits vor Beginn einer Chefarztsuche klären, welche Qualifikationen und Kompetenzen für die konkrete Aufgabe zwingend erforderlich sind.
Dabei stellen sich insbesondere drei Fragen:
- Welche fachlichen und formalen Qualifikationen sind unverzichtbar? Eine Habilitation kann je nach Position und strategischer Ausrichtung der Klinik von großer Bedeutung sein. Sie ist jedoch nicht für jede Chefarztposition gleichermaßen entscheidend.
- Welche Führungsaufgaben prägen die Position tatsächlich? Neben medizinischer Expertise können etwa die Weiterentwicklung eines Versorgungsbereichs, die Führung interdisziplinärer Teams oder die Verbindung spezialisierter und allgemeiner Versorgung im Mittelpunkt stehen.
- Welche Persönlichkeiten sind für diese Aufgabe tatsächlich erreichbar? Regionale Mobilität, Karriereziele und die Attraktivität des konkreten Verantwortungsbereichs beeinflussen, ob fachlich geeignete Kandidat*innen für einen Wechsel gewonnen werden können.
Welche Anforderungen dabei Priorität haben sollten, hängt von der jeweiligen Klinik, ihrem Versorgungsauftrag und ihrem Entwicklungsbedarf ab.
Ein tragfähiges Anforderungsprofil beschreibt die Führungspersönlichkeit, die unter den konkreten Bedingungen der Einrichtung erfolgreich sein kann – und berücksichtigt zugleich, ob eine solche Persönlichkeit am Markt überhaupt vorhanden und auch erreichbar ist.
Erfolgreiche Chefarztsuche beginnt beim Anforderungsprofil
Die Besetzung einer Chefarztposition in einem engen Spezialistenmarkt erfordert eine fundierte Marktkenntnis, gezielten Executive Search und eine sorgfältige Abstimmung des Anforderungsprofils.
Im beschriebenen Mandat war der begrenzte Kandidatenmarkt von Anfang an bekannt. Entscheidend war die gemeinsame Priorisierung der Anforderungen: Der Wunsch nach fachlicher Reputation und klinischer Führungskompetenz blieb bestehen, während beim formalen Kriterium der Habilitation bewusst Offenheit geschaffen wurde.
Das Ergebnis war die erfolgreiche Besetzung mit einer promovierten, fachlich renommierten Kandidatin, deren Kompetenzprofil zur besonderen Führungsaufgabe passte.
Gerade in kleinen medizinischen Spezialistenmärkten kann die richtige Gewichtung der Anforderungen den entscheidenden Unterschied machen.
Wie SOLUTE Krankenhäuser, Fach- und Rehakliniken bei der Gewinnung medizinischer Führungspersönlichkeiten unterstützt, erfahren Sie auf unserer Seite zur Personalberatung für Chefarztbesetzungen.