Beitragsbild zum Blogbeitrag Eigenschaften in der Personalberatung

Gibt es Eigenschaften, die in der Personalberatung unabdingbar sind?

Sorgfältig, diszipliniert, extrovertiert, chaotisch – so verschieden können Persönlichkeiten von Menschen sein. Als Persönlichkeit wird die Gesamtheit der individuellen Eigenschaften eines Menschen verstanden und sie ist ebenso einzigartig wie dessen Fingerabdruck. Die Persönlichkeit bestimmt das eigene Erleben und Verhalten in alltäglichen Situationen und die Interaktionen mit der jeweiligen Umgebung. Davon ausgehend, dass die Persönlichkeit bereits im frühkindlichen Alter ausgeprägt wird, damit zeitlich relativ stabil ist, und die Merkmalsausprägungen nicht grundlegend verändert werden können, sind von der jeweiligen Persönlichkeit Handlungen und Entscheidungen abhängig, die Einfluss auf verschiedene Lebens-Situationen haben. Dementsprechend spielen Persönlichkeitseigenschaften auch im beruflichen Kontext eine ganz wesentliche Rolle dabei, ob richtige Entscheidungen getroffen werden, es zu Erfolgen kommt und insgesamt das Gefühl entsteht einen Job gefunden zu haben, der einem entspricht.

Die Arbeit als Personalberater*in im Research bei SOLUTE kann grob in drei Arbeitsfelder unterteilt werden. Diese sind die Suche nach passenden Kandidat*innen, der Kandidat*innen-Austausch und die Kommunikation mit der internen Leitung des jeweiligen Besetzungsprojektes. Jeder dieser Bereiche birgt seine eigenen Anforderungen an die Persönlichkeit des Beraters bzw. der Beraterin, wobei es auch zu Überschneidungen kommt.

Im Bereich der Kandidat*innensuche ist hauptsächlich – und sicher nicht das, was die meisten von außen mit Personalberatung assoziieren – ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit gefordert. Gewissenhaftigkeit dahingehend, dass es, um einen erfolgreichen Researchprozess gestalten zu können, viel marktbezogener Fachkompetenz bedarf beispielsweise bezüglich der Versorgungsstruktur, der lokalen Verteilung entsprechender Experten und der allgemeinen Versorgungslage. Ist durch diese Kompetenz die Grundlage für eine zielgerichtete Suche geschaffen, ist vor allem Ordnungsliebe gefordert, damit eine Region im Detail, nachvollziehbar und möglichst lückenlos nach den richtigen Kandidat*innen durchsucht werden kann. Sind durch einen erfolgreichen Researchprozess entsprechend Kandidat*innen gefunden und für eine erste telefonische Kontaktaufnahme zusammengetragen, kommt es zur Ansprache.

Im Kontext der Ansprache ist primär das Merkmal der Extraversion gefordert. Daneben spielt auch Disziplin eine nicht unbedeutende Rolle. Im Rahmen der Extraversion ist bedeutend, dass ein gewisses Feingefühl, eine Sensibilität im Erstkontakt mit den Kandidat*innen bestehen muss, um Inhalte treffend zu kommunizieren und die erste Phase des Kontakts vor allem vertrauensvoll gestalten zu können. Disziplin ist dann gefragt, um den Prozess aufrechtzuerhalten und so auch dann, wenn an einem Vormittag die Erreichbarkeit einmal schlecht ist, den Hörer dennoch dieses eine Mal mehr in die Hand zu nehmen – denn siehe da, es geschieht und ein/e Kandidat*in nimmt den Anruf entgegen, der sich derart über die vorgeschlagene Position freut dass es so scheint, als hätte er den ganzen Tag nur auf den Anruf gewartet.

Wurde der/die Kandidat*in durch die erforderliche Disziplin letztlich erreicht und durch ein hohes Maß an Feingefühl und kommunikativer Kompetenz Bedarfe korrekt erfasst, wird sich in einem nächsten Schritt zu einem vertiefenden Gespräch verabredet. Hier ist vorrangig die Eigenschaft der Verträglichkeit bedeutend. Ausdifferenziert betrachtet vor allem der Aspekt des Vertrauens, da ein tiefes Vertrauen Grundvoraussetzung ist, um berufliche Entscheidungen mit dem Gegenüber abstimmen und ausloten zu können. Aus eignungsdiagnostischer Perspektive betrachtet ist die Gewissenhaftigkeit in Form eines hohen Maßes an analytischer Kompetenz dahingehend gefordert, dass herausgefunden werden muss, ob ein/e Kandidat*in auf die Position, jedoch ebenso die Position zum/r Kandidat*in, passt, um auf diesem Weg einen Mehrwert für beide Seiten – also Kandidat*innen und Kund*innen gleichermaßen –  sicherstellen zu können.

Zu den relevanten Faktoren eines positiven Projektverlaufs zählt dann nicht nur die Kandidat*innen- sondern auch die Kommunikation mit der Projektleitung. Denn dieser Austausch bildet im Wesentlichen die Informationsgrundlage für die Kund*innenkommunikation. So ist während des gesamten Prozesses eine vertrauensvolle und transparente Kommunikation essenziell, damit ein Projekt schnell und erfolgreich an sein Ziel gebracht werden kann. Hierzu bedarf es auf Seite der Persönlichkeit der Beratenden neben fachlichem Know-how ebenfalls ein hohes Maß an Verträglichkeit, damit auf allen projektbeteiligten Seiten Vertrauen entstehen kann. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, sind zudem Gewissenhaftigkeit in Form von Strukturiertheit und Ordnungsliebe wie auch ausgeprägte kommunikative Fähigkeit gefordert, um Einschätzungen zu Kandidat*innen, Marktsituationen und weiteres präzise abstimmen und an die Projektleitung weitergeben zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es durch die unterschiedlichen Arbeitsfelder eines Beraters bzw. einer Beraterin bei SOLUTE nicht die eine Fähigkeit gibt, die ausschlaggebend ist oder herausgehoben werden kann. Vielmehr kommt es auf den richtigen Mix aus Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Verträglichkeit an, die in ihrem Zusammenspiel dazu beitragen, die aus meiner ganz persönlichen Sicht heraus größte Herausforderung der Personalberatung meistern zu können: Nämlich die eben dargestellten Prozesse parallel in mehreren Projekten gegenüber mehreren Kund*innen und mit vielen Kandidat*innen zur Zufriedenheit aller Projektteilnehmenden erfolgreich zu managen.

 

Jannis Mohrmann | Research Consultant

Beitragsbild: Eigene Darstellung